Bauten der NS-Zeit

eine Arbeit von Patrick Gericke und Matthias Pottrick

Wir wollen an zwei Beispielen die bautechnische Ausführung und den politischen Hintergrund der damaligen Bauaktivitäten der Philipp Holzmann AG dokumentieren.

Carinhall

Das erste Beispiel bezieht sich auf das Waldschloss Carinhall in der Schorfheide, welches von Göring erbaut und zu Ehren seiner verstorbenen ersten Ehefrau Carin Freifrau von Kantzow, geb. Fock errichtet wurde. Der Name Carinhall leitet sich von der Nordsage der Walhalla ab und ergibt sich aus einem Mischwort, aus Carin und Walhall. An diesem Beispiel erkennt man auch gut die Aktivitäten der Holzmann-AG in den hohen Kreisen der NSDAP. Das Waldschloss Carinhall wurde in erster Linie zu repräsentativen Zwecken von Herman Göring genutzt, wo er mit hochrangingen Führern der NSDAP und  verbündeten Staatsoberhäuptern Jagdausflüge in die Schorfheide durchführte. Der Gebäudekomplex von Carinhall beinhaltete neben einer großen Kunstsammlung Görings viele Privaträume, Freizeit- und Sportanlagen auch Büros und einen großen Luftschutzbunker. Alles begann mit einem Blockhaus schwedischen Stils. Die Erweiterung dieses Gebäudes fand in zwei Abschnitten statt. Der Bau des Bibliotheksflügels im zweiten Bauabschnitt, welcher durch die Philipp Holzmann AG ausgeführt wurde, begann im Jahr 1939.  Architekt war nicht wie oft angenommen Albert Speer sondern der Architekt Werner March (der Schöpfer des Berliner Olympiastadions) und später Friedrich Hetzelt.

Dnjeprostroi-Talsperre

An zweiter Stelle beschäftigen wir uns mit dem damals größten Staudamm der Welt, der Dnjepr-Talsperre in der Ukraine. Dieser Staudamm besaß auch das größte Wasserkraftwerk seinerzeit zu dem beispielsweise auch die US-Amerikanische Firma General Electrics die Turbinen lieferte. Dieses Bauwerk war seinerzeit eine ingenieurtechnische Meisterleistung und konnte mit seiner Stromgewinnung den Großraum Soporischja mit elektrischem Strom versorgen. Durch den Rückzug der Roten Armee sprengten die verantwortlichen Generäle eine 190 m Lange Bresche in die Staumauer, um die deutschen Truppen am weiteren Vormarsch zu hindern. Durch die Bresche flossen in kürzester Zeit 35.000 m³/s Wasser und der Stausee lief leer. Damit eine Nutzung durch die Deutschen ausgeschlossen werden konnte, wurde aus den von General Electric gelieferten Turbinen das Öl abgelassen, diese wurden dann eingeschaltet und somit war ein Festfressen der Turbinen erreicht. Durch das Einnehmen des Dnjepr-Staudamms durch die deutschen Truppen wurde die Philipp Holzmann AG mit dem Wiederaufbau der Talsperre und des Wasserkraftwerkes beauftragt. Sie begann am 24.10.1941 mit der Wiederinstandsetzung der beiden Ingenieur-Meisterwerke, die Instandsetzung war Ende 1942 beendet und so konnte das Kraftwerk seinen Betrieb wieder aufnehmen. Jedoch wurde Mitte 1943 die Talsperre wieder gesprengt. Dieses Mal aber durch ein Bombardement der deutschen Luftwaffe, um die Rote Armee am Vormarsch zu hindern. Die Talsperre fiel wieder zurück in die Hände der damaligen Sowjetunion. Sie wurde wieder aufgebaut und mit einer Sparschleuse erweitert. Die Dnjepr-Talsperre tut auch heute noch nach 70 Jahren ihren Dienst und ist ein Denkmal der Ingenieurkunst.

Ausführlicher Text zum Herunterladen: Bauten der NS-Zeit (7 MB)

 

Logos zum Interflex-Projekt

Diese Arbeit ist Resultat einer interdisziplinären Lehrveranstaltung an der Fachhochschule Potsdam, finanziert aus Mitteln des Projekts “InterFlex – Förderung von Interdisziplinarität und Flexibilität zur Integration von Forschung, Wissens- und Technologietransfer in die grundständige Lehre”.
“InterFlex” wurde im Rahmen des – vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgelobten – Wettbewerbs “Exzellente Lehre” ausgezeichnet und wird mit Mitteln des Stifterverbandes und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg realisiert.